DNQP-Expertenstandard Demenz: Beziehungsgestaltung ist Führungs- und Organisationsaufgabe

von Tobias Münzenhofer

Ist das Thema Demenz primär Führungsaufgabe?

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(c) LICHTBLICKE-DEMENZSTRATEGIE

Fortbildung zum Artikelthema

DNQP Expertenstandard ´Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz´

Wie wird der DNQP-Expertenstandard im Alltag tatsächlich lebendig? Die Fortbildung verbindet personzentrierte Beziehungsgestaltung, Verstehenshypothesen und Teamreflexion mit konkreter Pflegepraxis.

Personenzentrierte Führung in der Pflege

Personenzentrierung gilt nicht nur für Bewohner. Die Fortbildung zeigt, wie Führung durch Klarheit, Beteiligung und Beziehung mehr Verantwortung und Handlungsspielraum im Team fördern kann.

Positiv Führen in der Pflege

Positive Führung heißt nicht, Probleme schönzureden. Lernen Sie, Stärken, Anerkennung und Sinn gezielt zu nutzen und dabei Anforderungen und Verantwortung klar im Blick zu behalten.

Der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ hat bereits mit seiner ersten Veröffentlichung einen besonderen Akzent gesetzt. Anders als bei vielen pflegerischen Standards steht nicht in erster Linie eine einzelne Intervention oder ein klar abgrenzbarer pflegerischer Vorgang im Mittelpunkt. Es geht um Beziehung, um Person-Sein und um die Frage, wie Pflege gestaltet sein muss, damit Menschen mit Demenz sich gehört, verstanden, angenommen und mit anderen verbunden fühlen können.

Die 1. Aktualisierung 2026 bestätigt diese Grundrichtung ausdrücklich. Das DNQP kommt zu dem Ergebnis, dass der ursprüngliche Expertenstandard grundlegend bestätigt wird. Zielsetzung und Begründung bleiben inhaltlich bestehen und wurden lediglich sprachlich leicht präzisiert. Die zentrale inhaltliche Veränderung liegt in der ausdrücklichen Verankerung der Entwicklung von Verstehenshypothesen im Prozesskriterium P2a. Für Einrichtungen, die den Expertenstandard bereits erfolgreich einsetzen, geht das DNQP davon aus, dass nach einer Analyse des bisherigen Vorgehens vermutlich nur geringe Anpassungen notwendig sind.

Die grundlegende Botschaft bleibt damit bestehen: Person-zentrierte Beziehungsgestaltung ist keine zusätzliche Methode neben der eigentlichen Pflege. Sie beschreibt vielmehr, wie Pflege insgesamt verstanden und organisiert werden soll.

Gerade deshalb richtet sich der Expertenstandard nicht nur an Pflegefachpersonen. Für Pflegedienstleitungen, Einrichtungsleitungen und das Qualitätsmanagement stellt sich eine ebenso wichtige Frage: Welche Rahmenbedingungen schaffen wir, damit person-zentrierte Beziehungsgestaltung im Alltag tatsächlich möglich wird?

Beziehung lässt sich nicht standardisieren – ihre Bedingungen aber sehr wohl

Eine Beziehung zwischen zwei Menschen entsteht nicht nach Verfahrensanweisung. Sie lässt sich weder über einen Ablaufplan herstellen noch über eine Dokumentationsvorgabe absichern. Genau darin unterscheidet sich dieser Expertenstandard von vielen klassischen Vorstellungen des Qualitätsmanagements.

Der Standard versucht deshalb nicht, Beziehung zu standardisieren. Er beschreibt vielmehr fachliche und organisatorische Bedingungen, unter denen die Wahrscheinlichkeit einer gelingenden Beziehungsgestaltung erhöht wird. Dazu gehören eine person-zentrierte Haltung, entsprechende Kompetenzen der Mitarbeitenden, ein person-zentriertes Einrichtungskonzept, klare Verantwortlichkeiten, Möglichkeiten zur gemeinsamen Reflexion sowie organisatorische Strukturen, die ein situatives und individuelles Handeln tatsächlich zulassen.

Diese Perspektive war bereits in der ursprünglichen Veröffentlichung des Expertenstandards angelegt. In der Aktualisierung wird sie erneut deutlich hervorgehoben. Pflegefachpersonen können person-zentrierte Pflege nicht unabhängig von den Bedingungen ihres Arbeitsplatzes verwirklichen. Die Einrichtung beeinflusst wesentlich, ob Beziehungsgestaltung unterstützt oder durch Routinen, Zeitdruck und starre Organisationsstrukturen erschwert wird. Die aktualisierte Fassung betont die Rolle der Einrichtung im Zusammenhang mit Fort- und Weiterbildung, Qualifikation und notwendiger Organisationsentwicklung nochmals deutlicher.

Damit verschiebt sich der Blick. Nicht allein die Frage „Handelt die Pflegekraft person-zentriert?“ ist entscheidend. Ebenso muss gefragt werden: Ermöglicht die Organisation person-zentriertes Handeln?

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Person-zentrierte Pflege ist Führungsaufgabe

Eine der stärksten Aussagen des Expertenstandards betrifft die Verantwortung von Führung. Bereits in der ursprünglichen Fassung wurde deutlich, dass Mitarbeitende eher person-zentriert handeln können, wenn sie selbst durch Führung und Organisation person-zentriert behandelt werden. Auch die aktualisierte Fassung bezeichnet die Ermöglichung person-zentrierter Pflege ausdrücklich als eine Führungsaufgabe.

Das bedeutet nicht, dass Führungskräfte jede Situation lösen oder jede Beziehung gestalten müssen. Ihre Aufgabe liegt vielmehr darin, Orientierung zu geben und Bedingungen zu schaffen, innerhalb derer Pflegefachpersonen und Teams fachlich verantwortlich handeln können.

Führung muss deshalb klären, welches Verständnis von Pflege die Einrichtung tatsächlich verfolgt. Ein person-zentriertes Leitbild reicht dafür allein nicht aus. Entscheidend ist, ob sich dieses Pflegeverständnis auch in Personalentwicklung, Dienstorganisation, Verantwortlichkeiten, Entscheidungswegen und Kommunikationsstrukturen widerspiegelt.

Dazu gehört ebenso, dass Mitarbeitende Fragen stellen, Unsicherheiten benennen und schwierige Situationen besprechen können. Beziehungsgestaltung entwickelt sich nicht durch Vorgaben, sondern durch Beobachtung, Reflexion, Erfahrung und gemeinsame fachliche Auseinandersetzung. Supervision, kollegiale Beratung, Fallbesprechungen, ausreichende Besprechungszeiten und fachliche Begleitung sind deshalb keine Nebenthemen des Standards. Sie gehören zu den Voraussetzungen einer person-zentrierten Pflegeorganisation.

Haltung kann man nicht anordnen. Führung kann jedoch Bedingungen schaffen, in denen sich Haltung entwickeln und im Alltag bewähren kann.

Vom Leitbild zur person-zentrierten Organisation

Viele Einrichtungen verfügen längst über Demenzkonzepte, Leitbilder und Verfahrensanweisungen. Das ist wichtig, beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage: Wie viel davon ist im tatsächlichen Pflegealltag erkennbar?

Die Aktualisierung beschreibt erneut die Notwendigkeit eines person-zentrierten Praxiskonzepts. Dieses soll nicht nur allgemeine Aussagen zu Würde und Wertschätzung enthalten. Es muss deutlich machen, was Person-Zentrierung in der jeweiligen Einrichtung konkret bedeutet, welche Zielgruppen angesprochen werden, welche Strukturen und Prozesse erforderlich sind und welche Ergebnisse für Menschen mit Demenz angestrebt werden.

Damit wird Person-Zentrierung zu einer Aufgabe der Organisationsentwicklung.

Eine Einrichtung kann von Mitarbeitenden beispielsweise Flexibilität erwarten. Wenn gleichzeitig Tagesabläufe, Dienstzeiten oder Zuständigkeitsregeln nahezu keinen Spielraum lassen, entsteht ein Widerspruch. Ebenso wenig genügt es, Selbstbestimmung zu fordern, wenn Entscheidungen überwiegend über feste Routinen getroffen werden. Und auch die beste Fortbildung zur Beziehungsgestaltung verliert an Wirkung, wenn Mitarbeitende das Gelernte anschließend unter den bestehenden Bedingungen kaum anwenden können.

Genau hier beginnt die Aufgabe von Pflegedienstleitung und Qualitätsmanagement: Widersprüche zwischen fachlichem Anspruch und organisatorischem Alltag müssen sichtbar gemacht werden.

Die Frage lautet dann nicht mehr lediglich: „Haben wir ein Konzept?“, sondern: Unterstützen unsere Strukturen das, was im Konzept beschrieben wird?

Die Praxishilfe „Personzentrierte Praxis gemeinsam entwickeln“ greift genau diese Ebene auf. Sie betrachtet Person-Zentrierung nicht ausschließlich als individuelle Haltung, sondern als Zusammenspiel von strategischer Führung, Mitarbeitervoraussetzungen, Praxisumfeld, person-zentrierten Prozessen und Organisationskultur. Besonders hilfreich ist dabei die kritische Frage, ob Mitarbeitende Person-Zentrierung unter Bedingungen verwirklichen sollen, die diese im Alltag gleichzeitig erschweren.

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Kostenlose Praxishilfen zum Thema: Beziehungsgestaltung und Führung

Personzentrierte Praxis – Reflexionshilfe für Führung und Organisationsentwicklung

Die Praxishilfe unterstützt Leitungsteams dabei, personzentrierte Praxis systematisch auf Organisations-, Team- und Alltagsebene zu reflektieren. Grundlage sind das PeoPLe-Modell, strukturierte Reflexionsfragen sowie eine abschließende Priorisierung nach Wollen, Können und Dürfen.

Qualitätsmanagement muss mehr prüfen als Dokumente

Für das Qualitätsmanagement eröffnet der Expertenstandard eine besondere Herausforderung. Klassische Qualitätsprüfungen konzentrieren sich häufig auf die Frage, ob Strukturen vorhanden und Prozesse beschrieben sind. Beziehungsgestaltung lässt sich auf diese Weise jedoch nur unzureichend erfassen.

Eine vorhandene Verfahrensanweisung sagt noch nichts darüber aus, wie Menschen mit Demenz tatsächlich angesprochen werden. Ein Fortbildungsnachweis sagt noch nichts darüber aus, ob Mitarbeitende das erworbene Wissen anwenden können. Und eine vollständig ausgefüllte Pflegeplanung belegt noch nicht, dass sich ein Mensch im Alltag verstanden oder angenommen fühlt.

Gerade deshalb ist die Verbindung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität für diesen Expertenstandard besonders sinnvoll.

Strukturqualität fragt danach, ob Kompetenzen, Verantwortlichkeiten, Zeit, Konzepte und organisatorische Bedingungen vorhanden sind. Prozessqualität richtet den Blick darauf, was in konkreten Pflegesituationen tatsächlich geschieht. Ergebnisqualität fragt schließlich, welche Wirkung dieses Handeln beim Menschen mit Demenz zeigt.

Die Zielsetzung des Standards macht diese Ergebnisperspektive sehr deutlich. Entscheidend ist letztlich, ob der Mensch mit Demenz Anzeichen dafür zeigt, dass sein Gefühl erhalten oder gefördert wird, gehört, verstanden und angenommen zu werden sowie mit anderen Menschen verbunden zu sein.

Damit verändert sich auch die Prüffrage des QM. Nicht allein „Ist etwas dokumentiert?“ sollte im Mittelpunkt stehen, sondern ebenso: Ist es im Alltag erkennbar – und was kommt davon beim Menschen an?

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Die Praxishilfe „Reflexionsfragen zur Beziehungsgestaltung“ folgt genau dieser Logik. Sie verbindet die fünf Kriterienebenen des Expertenstandards mit den drei Blickrichtungen Struktur, Prozess und Ergebnis und ermöglicht damit eine gemeinsame Reflexion von Leitung, QM und Pflegepraxis.

Kostenlose Praxishilfen zum Thema: Beziehungsgestaltung und Führung

Reflexionsfragen DNQP-Expertenstandard „Beziehungsgestaltung"

Die Reflexionsfragen unterstützen Teams dabei, person-zentrierte Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz strukturiert zu reflektieren und konkrete Verbesserungen für den Pflegealltag abzuleiten. Die digital ausfüllbare Praxishilfe orientiert sich an der DNQP-Konsultationsfassung 2026.

Verstehenshypothesen brauchen mehr als gute Pflegefachpersonen

Einen zentralen Stellenwert nimmt die Verstehenshypothese ein. Sie beschreibt keine endgültige Erklärung für ein Verhalten. Sie ist eine begründete und überprüfbare Annahme darüber, wie ein Mensch seine Situation erlebt, welche Bedeutung ein Verhalten haben könnte und auf welches Bedürfnis oder welche innere Situation dieses Verhalten möglicherweise eine Antwort darstellt.

Gerade an dieser Stelle liegt die zentrale inhaltliche Veränderung der Aktualisierung. Die Entwicklung von Verstehenshypothesen ist nun ausdrücklich im Prozesskriterium P2a verankert. Damit werden zugleich die dafür notwendigen Kompetenzen der Pflegefachpersonen sowie die strukturellen und institutionellen Voraussetzungen auf Einrichtungsebene deutlicher hervorgehoben. Verstehenshypothesen werden als Grundlage und Bestandteil der Maßnahmenplanung verstanden und sollen im multidisziplinären Team entwickelt werden.

Informationen aus Biografie, Beobachtung, Kommunikation, Angehörigenperspektive und weiteren Berufsgruppen werden dabei zusammengeführt. Aus dieser gemeinsamen Interpretation werden Maßnahmen abgeleitet und im weiteren Verlauf angepasst.

Für Leitung und QM ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Eine Verstehenshypothese entsteht nicht zuverlässig „irgendwie im Alltag“.

Fallbesprechungen benötigen organisatorische Voraussetzungen. Es muss geklärt sein, wann sie stattfinden, wer beteiligt wird, wer vorbereitet, wer moderiert, wie Ergebnisse dokumentiert und wie sie in die Maßnahmenplanung überführt werden. Die aktualisierte Fassung beschreibt diese organisatorische Verantwortung bemerkenswert konkret.

Damit wird die Fallbesprechung zu einem guten Beispiel dafür, wie eng Pflegefachlichkeit und Organisationsqualität miteinander verbunden sind. Von Pflegefachpersonen kann nicht erwartet werden, komplexe Situationen gemeinsam zu reflektieren, wenn hierfür weder Zeit noch Struktur vorgesehen sind.

Beziehungsgestaltung findet nicht nur in besonderen Angeboten statt

Eine weitere wichtige Präzisierung betrifft die Durchführung. Die aktualisierte Fassung räumt mit einem möglichen Missverständnis auf: Beziehungsgestaltung ist nicht auf besondere Beschäftigungen oder gesonderte beziehungsfördernde Angebote begrenzt.

Das Strukturkriterium S4b wurde neu formuliert und im Prozesskriterium P4 wurde auf die frühere missverständliche Formulierung eines „Angebots von Maßnahmen“ verzichtet. Hintergrund ist ausdrücklich, dass beziehungsgestaltendes Handeln Bestandteil jeglichen Pflegehandelns sein soll. Die Kommentierung beschreibt Beziehungsgestaltung als integralen Bestandteil jeder pflegerischen Situation. Auch Körperpflege, Mahlzeitenversorgung oder Mobilisation können und sollen damit zu beziehungsfördernden Situationen werden.

Damit wird der bekannte Grundgedanke des Expertenstandards nochmals geschärft: Nicht allein das Was der Pflege entscheidet, sondern wesentlich auch das Wie.

Fortbildung allein verändert noch keine Pflegekultur

Auch die Kompetenzentwicklung erhält weiterhin einen hohen Stellenwert. Alle an der Versorgung beteiligten Personen benötigen Wissen zu Demenz und Beziehungsgestaltung. Darüber hinaus braucht es vertiefte gerontopsychiatrische Kompetenz und fachliche Verantwortung auf unterschiedlichen Ebenen der Organisation.

Für Führung und QM ist jedoch ein weiterer Gedanke mindestens ebenso wichtig: Personalentwicklung und Organisationsentwicklung müssen zusammengehören.

Mitarbeitende können in Fortbildungen lernen, Verhalten anders zu verstehen, Menschen stärker einzubeziehen, Kommunikation anzupassen und person-zentrierte Entscheidungen zu treffen. Wenn sie anschließend in ein Arbeitsumfeld zurückkehren, in dem ausschließlich Schnelligkeit, Routinen und funktionale Abläufe zählen, entsteht zwangsläufig Frustration.

Die Aktualisierung weist ausdrücklich darauf hin, dass höhere Qualifikation auch höhere Erwartungen an die Organisation erzeugt. Können erworbene Kompetenzen nicht umgesetzt werden, kann die Unzufriedenheit nach einer Fortbildung sogar größer sein als zuvor. Deshalb sollen Maßnahmen der Personalentwicklung mit Organisationsentwicklung einhergehen.

Fortbildung darf deshalb nicht als Reparaturmaßnahme verstanden werden: „Das Team braucht mehr Haltung, also schicken wir es auf Schulung.“

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Was muss sich neben dem Wissen der Mitarbeitenden auch in unserer Organisation verändern?

Genau an diesem Punkt verbinden sich Expertenstandard, Personalentwicklung und Qualitätsmanagement.

Wollen, können und dürfen

Person-zentrierte Beziehungsgestaltung lässt sich auf drei einfache Fragen verdichten.

Wollen wir so arbeiten? Können wir so arbeiten? Dürfen wir so arbeiten?

Das Wollen beschreibt Haltung, Werte und den gemeinsamen fachlichen Anspruch. Das Können umfasst Wissen, Erfahrung, Kompetenz und Handlungssicherheit. Das Dürfen betrifft Zeit, Regeln, Entscheidungsräume, Führung und organisatorische Rahmenbedingungen.

In der Praxis werden Probleme häufig vorschnell auf eine dieser Ebenen reduziert. Mitarbeitende erscheinen dann beispielsweise „nicht motiviert“, obwohl ihnen Handlungsspielräume fehlen. Oder es werden größere Freiheiten gewährt, obwohl Fachwissen und Sicherheit noch nicht ausreichend entwickelt sind. Ebenso kann ein Team fachlich sehr kompetent sein und person-zentriert arbeiten wollen, aber an starren Strukturen scheitern.

Eine nachhaltige Umsetzung des Expertenstandards benötigt deshalb alle drei Ebenen gleichzeitig.

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Diese Gesamtbetrachtung ist auch Bestandteil beider Praxishilfen. Sie verhindert, dass Schwierigkeiten vorschnell einzelnen Mitarbeitenden zugeschrieben werden, und lenkt den Blick auf das Zusammenspiel von Person, Team und Organisation.

Der Expertenstandard ist kein Projekt mit Abschlussdatum

Vielleicht liegt darin die wichtigste Botschaft für Pflegedienstleitung und Qualitätsmanagement.

Der Expertenstandard sollte nicht als Implementierungsprojekt verstanden werden, das mit Konzept, Schulung und Verfahrensanweisung abgeschlossen ist. Person-zentrierte Beziehungsgestaltung ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Organisationen verändern sich. Teams verändern sich. Bewohnerinnen und Bewohner verändern sich. Neue Mitarbeitende kommen hinzu, andere verlassen die Einrichtung. Arbeitsbedingungen, Wissen und Anforderungen entwickeln sich weiter. Damit muss auch die Auseinandersetzung mit Beziehungsgestaltung immer wieder neu stattfinden.

Qualitätsentwicklung bedeutet in diesem Zusammenhang deshalb nicht, möglichst viele Vorgaben zu produzieren. Sie bedeutet, Bedingungen zu schaffen, gemeinsam hinzusehen, Widersprüche benennen zu dürfen und überprüfbare Veränderungen im Alltag anzustoßen.

Der Expertenstandard liefert dafür weiterhin einen ausgesprochen geeigneten fachlichen Rahmen.

Die Aktualisierung 2026 stellt diese Grundidee nicht auf den Kopf. Sie bestätigt vielmehr eine Erkenntnis, die bereits mit der ersten Fassung verbunden war: Gute Beziehungsgestaltung entsteht nicht allein durch engagierte Pflegekräfte. Sie benötigt eine Organisation, die Beziehung zulässt, Fachlichkeit unterstützt und Reflexion ermöglicht.

Oder anders formuliert:

Person-zentrierte Pflege braucht Mitarbeitende, die wollen und können – und eine Organisation, die sie auch lässt.

Fortbildung zum Artikelthema

DNQP Expertenstandard ´Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz´

Wie wird der DNQP-Expertenstandard im Alltag tatsächlich lebendig? Die Fortbildung verbindet personzentrierte Beziehungsgestaltung, Verstehenshypothesen und Teamreflexion mit konkreter Pflegepraxis.

Personenzentrierte Führung in der Pflege

Personenzentrierung gilt nicht nur für Bewohner. Die Fortbildung zeigt, wie Führung durch Klarheit, Beteiligung und Beziehung mehr Verantwortung und Handlungsspielraum im Team fördern kann.

Positiv Führen in der Pflege

Positive Führung heißt nicht, Probleme schönzureden. Lernen Sie, Stärken, Anerkennung und Sinn gezielt zu nutzen und dabei Anforderungen und Verantwortung klar im Blick zu behalten.

Kostenlose Praxishilfen zum Thema: Beziehungsgestaltung und Führung

Reflexionsfragen DNQP-Expertenstandard „Beziehungsgestaltung"

Die Reflexionsfragen unterstützen Teams dabei, person-zentrierte Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz strukturiert zu reflektieren und konkrete Verbesserungen für den Pflegealltag abzuleiten. Die digital ausfüllbare Praxishilfe orientiert sich an der DNQP-Konsultationsfassung 2026.

Personzentrierte Praxis – Reflexionshilfe für Führung und Organisationsentwicklung

Die Praxishilfe unterstützt Leitungsteams dabei, personzentrierte Praxis systematisch auf Organisations-, Team- und Alltagsebene zu reflektieren. Grundlage sind das PeoPLe-Modell, strukturierte Reflexionsfragen sowie eine abschließende Priorisierung nach Wollen, Können und Dürfen.

Autor: Tobias Münzenhofer

Tobias Münzenhofer

Literatur- und Quellennachweis

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.) (2026): Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“, 1. Aktualisierung 2026. Präambel, Expertenstandard und Kommentierung. Osnabrück.
  • Mayer, H., Wallner, M., Hildebrandt, C. & Köck-Hódi, S. (2019/2020): Rahmenkonzept zur Gestaltung Personzentrierter Praxis in der Langzeitpflege (PeoPLe). Institut für Pflegewissenschaft, Universität Wien.
  • LICHTBLICKE-DEMENZSTRATEGIE® (2026): Personzentrierte Praxis gemeinsam entwickeln – Strukturierte Reflexionsfragen für Führung und Organisationsentwicklung in der Langzeitpflege. Version 1.0.
  • LICHTBLICKE-DEMENZSTRATEGIE® (2026): Reflexionsfragen zur Beziehungsgestaltung – Strukturierte Reflexionsfragen zur person-zentrierten Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz. Version 1.0.

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